Schlafstörungen

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in der Bevölkerung. Nach epidemiologischen Untersuchungen leiden ca 25 bis 30 Prozent der Erwachsenen an Schlafstörungen und mehr als 10 Prozent erleben ihren Schlaf häufig oder anhaltend als nicht erholsam. In Deutschland leiden ca. 8 Millionen Menschen unter den Symptomen eines nicht erholsamen Schlafes.

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Die Betroffenen klagen über Ein- und Durchschlafstörungen, unruhigen, flachen, unerholsamen Schlaf, Früherwachen und Müdigkeit, Unwohlsein und Leistungsschwäche am Tage.

Schlafmediziner unterscheiden dabei 88 unterschiedliche Schlafstörungen. Viele von ihnen lassen sich nur mit ärztlicher Hilfe behandeln. Leichtere und vorübergehende Beschwerden können die Betroffenen in vielen Fällen selbst kurieren.

Durch eine gezielte Befragung lassen sich Schlafstörungen identifizieren, die ihre Ursache in schlafstörenden Verhaltensweisen haben, die den regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus stören oder auf die Einnahme schlafstörender Substanzen zurückzuführen sind. Auch psychiatrische oder organische Erkrankungen können Schlafstörungen verursachen. Bei einem Teil der Betroffenen ist eine genaue Untersuchung in einem Schlaflabor erforderlich, um die schlafstörenden Ursachen aufzudecken.

Nicht jede Schlafstörung ist besorgniserregend. Entscheidend für das Ausmaß ist vor allem die Dauer der Schlafstörung und die subjektive Beeinträchtigung am Tage. Ab und zu „eine schlechte Nacht“ und ein etwas müder Tag danach schaden der Gesundheit nicht. Nur über längere Zeit andauernde (länger als einen Monat) Schlafstörungen, die an mehr als 3 Nächten je Woche auftreten und zu Beeinträchtigungen am Tage führen, sind Anlass zur Sorge und sollten fachärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Allen schlafstörenden Einflüssen liegt – unabhängig von der auslösenden Ursache - eine Störung der Kontinuität der Schlafzyklen (der regelmäßigen Abfolge verschiedener Schlafstadien) zugrunde; wodurch auch an bestimmte Schlafstadien gebundene Änderungen von Körperfunktionen (Muskelspannung, Herzschlag, Blutdruck, Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Atmung) beeinflusst werden. Die mangelhafte Schlafqualität – nicht unbedingt immer die Dauer des Schlafes – beeinträchtigt die Erholungsfunktion des Schlafs.

Hauptkategorien der Schlafstörungen

Nach der Internationalen Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD-2) lassen sich folgende Hauptkategorien der Schlafstörungen unterscheiden:

1. Insomnien

Nächtliche Schlaflosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen oder vorzeitiges nächtliches Erwachen wird als Insomnie bezeichnet. Durch den chronischen Schlafmangel und die Schlafunterbrechungen wird die Erholsamkeit des Schlafes beeinträchtigt. Die Betroffenen klagen häufig über Konzentrationsstörungen, vermehrte Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit und verminderte Leistungsfähigkeit am Tage.

Einschlafstörungen haben meist psychische Ursachen: Sorgen und Ängste, Trauer, aktuelle Konflikte im Beruf oder Familie, Überforderungssituationen oder chronischer Stress im Alltag. Sie treten oftmals nur vorübergehend auf und können in hartnäckigen Fällen kurzzeitig medikamentös behandelt werden.

Auch äußere Einflüsse wie Hitze, Kälte, Lärm, übermäßiger Gebrauch von Genussmitteln oder bestimmten Arzneimitteln können zu Ein- und Durchschlafstörungen führen.

Schlafstörungen aufgrund anderer körperlicher oder psychischer Erkrankungen (z. B. Depressionen, Angststörungen) nennt man sekundäre Insomnien.

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen

Schlafbezogene Atmungsstörungen sind Erkrankungen, bei denen es im Schlaf zu abnormalen Atempausen oder zu einer verminderten Atmung kommt. Es wird hierbei zwischen verschiedenen Formen der Atemstörungen unterschieden:

Zu den häufigsten Formen der schlafbezogenen Atemstörungen gehören

  1. das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom:
    Es ist gekennzeichnet durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen und periodisch wiederkehrende Atemstillstände (Apnoen) im Schlaf und eine erhöhte Tagesmüdigkeit oder –schläfrigkeit am Tage. Ursache ist eine schlafinduzierte Erschlaffung der Muskulatur der oberen Atemwege, wobei es beim Einatmen zum Kollaps der Rachen-und Schlundmuskulatur und damit zu einer mechanischen Verlegung (Obstruktion) der Atemwege kommt. Folge der wiederholten Atemstillstände sind eine Minderbelüftung der Lunge mit Absinken des Sauerstoffgehaltes und Ansteigen des Kohlendioxidgehaltes im Blut; was wiederum zu „Alarmreaktionen“ des Körpers führt (Arousals), welche die Schlafqualität erheblich stören können.
  2. das zentrale Schlaf-Apnoe-Syndrom:
    Durch Störungen in der Aktivierung sämtlicher für die Atmung wichtiger Muskelgruppen zeigen sich periodisch wiederkehrende Atemstillstände im Schlaf. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Herzleistungsschwäche über verschiedene entzündliche und degenerative Erkrankungen des Nervensystems bis hin zur Höhenkrankheit.
  3. das zentral-alveoläre Hypoventilationssyndrom:
    Diese Form ist gekennzeichnet durch länger anhaltende Minderbelüftung der Lunge im Schlaf; sie findet sich bei Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen, mit Verformungen im Bereich der Brustwirblesäule (Kyphose) bei manchen fortgeschrittenen Lungenerkrankungen oder bei extremem Übergewicht (Adipositas).

3. Hypersomnien

Eine Hypersomnie ist gekennzeichnet durch ein pathologisch erhöhtes Schlafbedürfnis und abnorme Schläfrigkeit am Tage. Zusätzlich klagen die Betroffenen häufig über Konzentrationsstörungen, erhöhte Reizbarkeit und Leistungseinbußen. Auch plötzliche Einschlafattacken am Tage können auftreten. Der Schlaf selbst wird von vielen Betroffenen gar nicht als gestört erlebt, da sie die nächtlichen Störungen des Schlafes oft nicht wahrnehmen.

Neben verhaltensbedingten Hypersomnien mit Störung der Schlafstruktur (z. B. durch mangelnde Schlafhygiene, Gebrauch von Medikamenten oder psychoaktiven Substanzen) gehören hierzu auch die sogenannten primären Hypersomnien wie Narkolepsie oder idiopathische Hypersomnie.

4. Störungen des zirkadianen Rhythmus

Diese Gruppe der Schlafstörungen wird ausgelöst durch häufige Störungen eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. Wechsel der Zeitzonen, Jet-Lag, Schichtarbeit usw.).

5. Parasomnien

Parasomnien sind ungewöhnliche Ereignisse im Schlaf, die in der Regel nicht die Qualität und Erholsamkeit des Schlafes beeinträchtigen. Parasomnien werden anhand der Schlafstadien, in denen sie meist auftreten, in NREM-Parasomnien und REM-Parasomnien unterteilt.

Zu den NREM-Parasomnien gehören Schlafwandeln, Pavor nocturnus (Nachtangst) oder Schlaftrunkenheit. Dabei können einfache Handlungen ausgeführt werden, wobei das Gehirn noch nicht vollständig „erwacht“ ist. Meist erinnert sich der Betroffene selbst nicht an das nächtliche Geschehen.

REM-Parasomnien treten fast ausschließlich im REM-Schlaf auf.

Die häufigste dieser Art von Parasomnie sind Alpträume. Typische Themen sind Verfolgung, Fallen ins Bodenlose oder der Tod nahestehender Personen. Die Traumhandlung wird nach dem Erwachen gut erinnert.

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung kommt es zum aktiven Ausagieren von Träumen. Bei besonders intensiven Träumen mit viel Bewegung (Flucht, Abwehr) kann es dazu kommen, dass Bettgefährten geschlagen oder getreten werden bzw der Betroffene das Bett verlässt.

Normalerweise sind im REM-Schlaf alle Bewegungsmuskeln blockiert, so dass auch lebhafte Träume nicht „ausgelebt“ werden können. Diese Blockierung der Muskulatur im REM-Schlaf ist bei dieser Störung aufgehoben. Man geht heute davon aus, dass diese Störung in vielen Fällen ein Vorbote einer schweren degenerativen Erkrankung wie z. B. der Parkinson-Erkrankung sein kann. Deshalb sollte bei Verdacht auf eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung immer eine gründliche Untersuchung in einem Schlaflabor bzw. schlafmedizinischem Zentrum erfolgen.

Zu den Parasomnien gehören auch Enuresis (Bettnässen), Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen), Sprechen im Schlaf oder rhythmische Körperbewegungen (rhythmisches Kopfschlagen oder Körperrollen).

6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Die häufigste Bewegungsstörung im Schlaf ist das Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine). An dieser Erkrankung leiden ca. 5 Prozent der Bevölkerung.

Das Restless-Legs-Syndrom ist gekennzeichnet durch einen unbezwingbaren Bewegungsdrang der Beine in Ruhe- oder Entspannungssituationen mit Zunahme gegen Abend oder beim Versuch einzuschlafen. Dieses quälende Unruhegefühl ist häufig begleitet von mannigfaltigen Missempfindungen in den Beinen, die als Kribbeln, Reißen, Ziehen, Prickeln oder gar Schmerz beschrieben werden, meist im Wadenbereich beginnen und bis in die Knie oder Oberschenkel ziehen können. Der unstillbare Bewegungsdrang zwingt die Betroffenen, sich zu bewegen, umherzulaufen oder Gymnastik zu machen.

Durch körperliche Aktivität werden die Beschwerden gelindert oder verschwinden ganz. Durch die unangenehmen Missempfindungen in den Beinen und den intensiven Bewegungsdrang sind Betroffene oft nicht in der Lage, eine gewisse Zeit (in Zügen, Flugzeugen, bei Versammlungen) ruhig sitzen zu bleiben. Sie müssen sich durch Bewegung und Umherlaufen Linderung verschaffen. Noch quälender wird die Zunahme der Beschwerden in den Abendstunden oder im Bett empfunden.

Betroffene Menschen wandern oft nächtelang umher und versuchen durch Massagen, diverse Einreibungen, heiße oder kalte Fußbäder Erleichterung zu finden, um endlich schlafen zu können.

Im Schlaf von fast allen Menschen mit einem Syndrom der unruhigen Beine sind periodische Beinbewegungen, d. h. episodenhaft auftretende Muskelanspannungen zu beobachten, die evtl. zu kurzen Beinbewegungen oder Muskelzuckungen führen können.

Diese stereotypen Muskelspannungserhöhungen treten über längere Phasen des Schlafs sehr regelmäßig in einem Abstand von ca. 20 bis 40 Sekunden auf und verursachen häufig unzählige kurze Weckreaktionen, die den Schlafverlauf der Betroffenen völlig zerstören können.

Bei etwa der Hälfte der betroffenen Patienten ist das „Syndrom der unruhigen Beine” Folge von verschiedenen Erkrankungen. So findet man sein gehäuftes Auftreten bei chronischen Nierenerkrankungen und Dialyse-Patienten, bei der durch Eisenmangel verursachten Blutarmut oder bei der chronischen rheumatischen Gelenkerkrankung (rheumatoide Arthritis). Auch eine Schwangerschaft kann das Auftreten begünstigen.

Bei ca. 50 Prozent der Patienten tritt das Syndrom ohne erkennbare äußere Ursache, oft familiär gehäuft, in Erscheinung.

Auch ohne die o. g. Beschwerden eines Restless-Legs-Syndroms findet man im Schlaflabor bei manchen Patienten als Ursache für einen unerholsamen Schlaf diese typischen periodischen Beinbewegungen im Schlaf, die zu häufigen kurzen Weckreaktionen und einem fragmentierten Schlaf führen. Diese Störung nennt man periodische Beinbewegungen der Gliedmassen (PLMS).

Diagnostik bei Schlafstörungen

Die Schlüsseldiagnostik bei hartnäckigen Schlafstörungen ist die Polysomnographie in einem spezialisierten Schlaflabor, bei der auslösende körperliche Ursachen nachgewiesen und ggf. behandelt werden können.

Werden solche körperlichen Ursachen mittels Polysomnographie ausgeschlossen, kann mit der Behandlung der Insomnie begonnen werden, die in der Regel eine Kombination umfasst aus:

  1. kognitiver Verhaltenstherapie (z. B. Stimuluskontrolle)
  2. psychologischer Begleitung
  3. medikamentöser Behandlung

Neben der gründlichen Untersuchung in einem spezialisierten Schlaflabor ist unser Institut auch im Rahmen klinischer Studien an der Erforschung innovativer, wirksamer und sicherer Schlafmittel einer neuen Generation zur Behandlung verschiedener Schlafstörungen beteiligt.

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